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Kultur

Enrosadira

...das Farbenspiel der Dolomiten

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Ein einzigartiges Naturphänomen der Alpen

Wenn das Sonnenlicht die Felsen der Dolomiten in rosafarbene Töne taucht, können wir das Naturschauspiel der Enrosadira erleben – ein Phänomen, das Wissenschaft und Legende miteinander verbindet.

Bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang treffen die Sonnenstrahlen auf die felsigen Oberflächen der Dolomiten und ihre mineralische Zusammensetzung.

Geologisch bestehen die Dolomiten zu rund 90 % aus doppeltkohlensaurem Calcium-Magnesium, dem sogenannten Dolomit, und zu etwa 10 % aus Calciumcarbonat. Unter bestimmten Bedingungen entsteht dadurch ein einzigartiges Naturphänomen, das mit bloßem Auge sichtbar ist. Die Berge verwandeln sich und leuchten in Nuancen von Rosa über Rot bis hin zu Orange und Violett.

Die Enrosadira tritt täglich und zu jeder Jahreszeit auf, bleibt jedoch unvorhersehbar, da sie von den atmosphärischen Bedingungen und dem Stand der Sonne abhängt. Je klarer der Himmel, desto intensiver und eindrucksvoller sind die Farben.

Daniel sessler p 3j4n Zp Zw4 unsplash

Mythos und Tradition

Etymologisch stammt das Wort „Enrosadira“ aus der ladinischen Sprache (rosadüra oder enrosadöra) und bedeutet wörtlich „rosafarben werden“. Die Enrosadira ist eng mit der ladinischen Kultur verbunden, wie die zahlreichen Legenden zeigen, die sich rund um dieses Naturphänomen entwickelt haben.

Die bekannteste Sage erzählt von der Entstehung der Enrosadira und ist das Ergebnis eines Fluchs, den König Laurin über die Berge legte. Laurin, der sagenhafte Zwergenkönig, herrschte über das Rosengartenreich im Catinaccio-Gebirge.

Es gibt verschiedene Versionen dieser Legende, die sich von Tal zu Tal unterscheiden. Einer Erzählung zufolge schlich sich eines Tages der König des Latemar in König Laurins Rosengarten. Dort verliebte er sich auf den ersten Blick in Laurins Tochter, Prinzessin Ladina. Geblendet von ihrer Schönheit entschloss er sich, sie zu entführen. Als König Laurin von der Entführung erfuhr, belegte er seinen Rosengarten – die verräterischen Berge, die den Standort seines Reiches dem Feind preisgegeben hatten – mit einem Fluch. Weder bei Tag noch bei Nacht sollten die Rosen je wieder blühen, und die Berge sollten für niemanden mehr sichtbar sein.

Doch eines vergaß Laurin: den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang. Und so ist es bis heute zu diesen besonderen Momenten möglich, den Rosengarten des Königs Laurin in voller Blüte zu bewundern.

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Ein unvergessliches Erlebnis das ganze Jahr

Die Enrosadira in Alta Badia zu bewundern ist eigentlich ganz einfach: Es genügt, den Blick bei den ersten Sonnenstrahlen oder in der Abenddämmerung auf die Berge zu richten. Wer dieses Naturschauspiel besonders intensiv erleben möchte, dem empfehlen wir die langen Sommerabende oder den Herbst, wenn die warmen Farbtöne des Dolomitgesteins von den goldenen Farben der Lärchen im Herbstlaub eingerahmt werden.

Beim Besteigen eines Gipfels wird die Faszination dieses Moments noch verstärkt – durch die Freude über den Aufstieg selbst. In der Umgebung gibt es zahlreiche Gipfel, die in kurzer Zeit und ohne besondere technische Schwierigkeiten erreichbar sind.

Etwa 8 Kilometer vom Camping Sass Dlacia entfernt befindet sich das Museum Tre Sassi, das bedeutendste Museum zum Ersten Weltkrieg in den Dolomiten. Von hier aus führt ein etwa 40-minütiger Weg auf den Gipfel des Sass de Stria. Abenteuerlustigere können den Gipfel auch über einen Klettersteig mittleren Schwierigkeitsgrades erreichen. Oben eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama über das Gadertal – von der Conturinesgruppe bis zur Sellagruppe. Beim Weiterwandern des Blicks zeigen sich die majestätische Marmolada, die Civetta sowie die Ampezzaner Dolomiten bis hin zum Lagazuoi. Ein idealer Ort, um die Enrosadira zu erleben.

Auch von der Ütia de Börz aus lässt sich der Sass de Pütia sehen – einer der schönsten Gipfel, um die Enrosadira im frühen Morgenlicht zu bewundern. Für alle, die sich diese Wanderung nicht zutrauen, bieten sich in der Nähe des Würzjochs (Passo delle Erbe) mehrere Aussichtspunkte an, wie der Monte Costaces oder der Monte Muro. Orte, die leicht erreichbar sind und dennoch zu jeder Jahreszeit ein unvergessliches Erlebnis bieten.

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